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Mit schwerem Gerät auf „Jagd“ nach kleinen Tierchen

Es war allerdings schon bei der Probenahme eindrucksvoll zu sehen, wie gut besiedelt das Donausubstrat auch in großer Tiefe ist. Neben großen Muscheln und Kleinkrebsen waren auch Würmer und sogenannte Turbellarien zu finden. Eingewanderte Arten wie die Körbchenmuschel besiedelten neben heimischen Arten wie der Flussmuschel das Substrat. Die Donausohle lebt also!

Auf Höhe der Hainburger Lände hat sich am rechten Ufer ein Kolk bereits bis zu sieben Meter tief unter dem Niederwasserspiegel (Regulierungsniederwasser RNW) in die Donausohle gegraben, wobei die Eintiefungstendenz bis heute anhält. Der anstehende Untergrund besteht aus feinkörnigem Wiener Tegel, ist also erosionsgefährdet. Untersuchungen aus dem Frühjahr 2020 zeigen Wasserbausteine, die vermutlich schon aus der seitlichen Steinsicherung in diesen Kolk gerutscht sind. Es herrscht also Handlungsbedarf. Ein Pilotprojekt zur Sicherung des Gefahrenkolkes soll Abhilfe schaffen. Geplant ist die Bedeckung der Kolksohle mit schwer erodierbaren Wasserbausteinen, die im Zuge der Gewässervernetzung Spittelauer Arm gewonnen wurden.

Was aber passiert mit den Lebewesen, die einen solchen Gewässerbereich bewohnen? Wird der Kolk überhaupt von Tieren genutzt? Welche Arten halten sich in einer solchen Tiefe auf? Wird der Lebensraum durch die Überdeckung mit Wasserbausteinen gestört? Zur Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen wird das Vorhaben von einem biologischen Monitoring begleitet.

Normalerweise wird der Lückenraum des Donausedimentes von kleinen wirbellosen Tieren bewohnt, dem sogenannten Makrozoobenthos. Dazu gehören Muscheln, Schnecken, Würmer, Kleinkrebse und diverse Insektenlarven. Sie dienen einerseits dem Abbau von organischen Stoffen im Zuge der Selbstreinigung eines Gewässers und stellen andererseits eine wichtige Grundlage im Nahrungsnetz für Organismen wie Fische und Wasservögel dar. Wie bisherige Untersuchungen gezeigt haben, geht diese Besiedlung in der Donau bis in eine Tiefe von über einem Meter in den Untergrund! Die Artenzusammensetzung ist dabei abhängig vom Sauerstoffgehalt, der Fließgeschwindigkeit und der Korngröße des Sedimentes.

Um bei dieser Premiere im Tiefenbereich des Kolkes überhaupt Proben nehmen zu können, war allerdings schweres Gerät erforderlich. Da vergangenen März die Firma Felbermayr gerade mit der Sanierung des Hafensporns von Bad Deutsch-Altenburg vor Ort war, wurde die Gelegenheit zur Ist-Bestandsaufnahme ergriffen. Mit einem Baggerponton, einer riesigen Greifschaufel und dem Expertenteam der DWS Hydro-Ökologie GmbH an Bord rückte die Expedition an.

Aus dem betreffenden Gefahrenkolk wurden mehrere Schaufeln des Donausubstrates geborgen. Jetzt galt es, möglichst schnell eine ausreichende Menge an Proben abzufüllen und zu fixieren. So konnten die Kleintiere für die spätere Untersuchung im Labor gesichert werden.

Es war allerdings schon bei der Probenahme eindrucksvoll zu sehen, wie gut besiedelt das Donausubstrat auch in großer Tiefe ist. Neben großen Muscheln und Kleinkrebsen waren auch Würmer und sogenannte Turbellarien (Strudelwürmer) zu finden. Eingewanderte Arten wie die Körbchenmuschel besiedelten neben heimischen Arten wie der Flussmuschel das Substrat. Die Donausohle lebt also!

Derzeit laufen die Analysen der Expertinnen und Experten im Labor. Nach Durchführung der Kolksicherungsmaßnahmen soll die Probenahme wiederholt werden, wodurch ein Vergleich der Besiedelung vor und nach der Umsetzung der Sicherungsmaßnahme möglich wird.

Die Untersuchungen erfolgten im Rahmen des Maßnahmenkatalogs für die Donau östlich von Wien. Mehr zu den Flussbauprojekten in diesem Flussabschnitt finden Sie unter lebendige-wasserstrasse.at.


Die Autorin

Seit 2006 bei viadonau engagiert sich Ursula Scheiblechner als Projektmanagerin in zahlreichen flussbaulichen und -ökologischen Projekten entlang des österreichischen Donauabschnitts.