Direct links
Content

Wann kommt die nächste Trockenperiode?

Ein neues Service erweitert den Vorhersagezeitraum für Niederwassersituationen an der Donau von 72 Stunden auf 120 Stunden. Die Daten stehen der Schifffahrt auf der DoRIS Website zur Verfügung.

Niederwasserperioden können die Binnenschifffahrt stark einschränken, da bei geringen Wasserständen die Fahrten teilweise nur mit reduzierter Ladung möglich sind. In extremen Situationen ist ein Umladen für den Weitertransport notwendig. Um diese schwierigen Bedingungen in Zukunft besser einplanen zu können, wurde als unterstützendes Service die Niederwasserprognose verbessert.

Darstellung des Donaueinzugsgebietes mit den Messstellen Kienstock und Wildungsmauer
Darstellung des Donaueinzugsgebietes mit den Messstellen Kienstock und Wildungsmauer

Die Hydrologinnen und Hydrologen von viadonau haben im April 2011 mit der Erstellung eines Niederwasserprognosesystems für die freien Fließstrecken an der österreichischen Donau begonnen. Ziel des Projekts ist es, möglichst lange Vorhersagezeiträume für die Pegel Kienstock und Wildungsmauer zu entwickeln und die erhobenen Daten in weiterer Folge über die DoRIS-Website der Schifffahrt zur Verfügung zu stellen. Neben dem allgemeinen Nutzen für die Transportlogistik dient diese Information auch der internen Planung für Erhaltungs- und Baumaßnahmen sowie Vermessungsarbeiten, denn die Durchführung dieser Arbeiten ist oft nur bei bestimmten Wasserständen oder Tiefen möglich. Somit ermöglicht die Methode beispielsweise eine bessere Planung bei der Umsetzung von wasserbaulichen Maßnahmen wie Buhnen und Längsbauwerken sowie der Durchführung von Baggerungen und Stromsohlenvermessungen.

Mit der Umsetzung wurde das Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der TU-Wien beauftragt. Als bestmögliche Lösung wurde ein konzeptionelles, kontinuierliches Wasserhaushaltsmodell vorgeschlagen, das die an der Abflussbildung beteiligten Prozesse durch mathematische Zusammenhänge beschreibt und die gemessenen Daten miteinander verknüpft. Die Zusammenarbeit von insgesamt sieben Partnerorganisationen und Behörden zur Bereitstellung der meteorologischen, hydrologischen, hydrographischen und kraftwerksrelevanten Daten ist eine wichtige Grundlage für die Qualität der Vorhersage.

Im hydrologischen Modell der Donau werden Echtzeitdaten von bis zu 91 Pegelmessstellen zur Korrektur verwendet und in weiterer Folge die einzelnen Abläufe für eine eine Art Lernprozess herangezogen. Die Systemergebnisse können dadurch laufend verbessert werden und die gewonnenen Erfahrungen in die zukünftigen Berechnungen einfließen.

Das untersuchte Einzugsgebiet erstreckt sich über fünf Staaten und hat insgesamt eine Fläche von 104.000 km², die sehr unterschiedliche Landschaftsformen vom Tiefland bis zum Hochgebirge einschließt. Die größten Zubringer sind der Inn, die Salzach, die Traun, die Enns und der Kamp – ihr Abflussverhalten wird durch die große Anzahl an Lauf- und Speicherkraftwerken stark beeinflusst ist.

Im Sommer und Herbst 2014 wurde die Niederwasserperiode des vergangenen Winters analysiert, um mit den gewonnenen Erkenntnissen das Prognosemodell weiter zu optimieren. Durch die dabei erlangten Informationen konnte viadonau den Prognosezeitraum auf 5 Tage ausweiten. Weitere Analysen und Optimierungen sind geplant.

Der Autor
Christoph Trunk ist im Team DoRIS Betrieb tätig und betreut dort unter anderem die DoRIS-Webseite sowie die damit in Verbindung stehenden Webservices.