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The big picture: Das viadonau Naturraum-Managementsystem

Hinter jeder „trockenen“ Kennzahl steht ein ganzes Bündel an vielfältigen ökologischen Zielen. Aber die Conclusio ist bestechend einfach: Je größer die Kennzahlen-Werte, desto größer der Umweltnutzen des jeweiligen Projekts.

Frei fließende Donau
Foto © viadonau/Barbara Becker

Renaturierungsprojekte mit großzügigen Nebenarmanbindungen und Uferrückbauten, Neubau von Schotterinseln und Geschiebemanagement, Sterlet-Besatz und Lebensraummodellierung, geschützte Auwälder und Ufergehölze mit alten Bäumen als Fledermausquartiere, Wiesenpflege auf Dämmen mit besonderem Augenmerk auf Orchideen oder Schmetterlinge und Bienen, Dammsanierung Hand in Hand mit Sumpfschildkrötenschutz, ökologisch abgestimmte Bauzeitpläne bei Bauprojekten, Nisthilfen für Mauersegler, neu angelegte Amphibientümpel, Artenkartierungen und Wissensmanagement von ökologischen Themen – die Liste der viadonau-Umweltleistungen ist wirklich lang. Und vielfältig. Wie den Überblick bewahren?

Blume in Hand Großaufnahme
Foto © viadonau/Barbara Becker

Seit 2017 werden die viadonau Umweltleistungen im Naturraum-Managementsystem des Unternehmens gebündelt: Jede einzelne Maßnahme wird im Vorhinein auf ihre Wirksamkeit geprüft. Nach Umsetzung wird bewertet, ob die Ziele auch erreicht wurden und die finanziellen Mittel für jedes einzelne Projekt dokumentiert. Im jährlich stattfindenden steering commitee wird dann die Ausrichtung der für den Naturraum besonders wichtigen Unternehmenstätigkeiten für die Folgejahre gesteuert. Das Ziel ist, Ressourcen auf solche Projekte zu fokussieren, die den größten Nutzen für den Lebensraum Donau haben. Für die Bewertung dieses Umweltnutzens wurden objektive Kriterien formuliert. Das Naturraum-Managementsystem kommt mit wenigen einfach messbaren Kennzahlen aus, die jedes Jahr erhoben und dokumentiert werden. Hinter jeder „trockenen“ Kennzahl steht ein ganzes Bündel an vielfältigen ökologischen Zielen. Aber die Conclusio ist bestechend einfach: Je größer die Kennzahlen-Werte, desto größer der Umweltnutzen des jeweiligen Projekts.

Wildufer an der Donau
Foto © viadonau/Barbara Becker

Beispiel Renaturierungsprojekte
Die Maßnahmen im Fluss reichen von Nebenarmanbindungen, Buhnenumbau oder Schüttung von Schotterinseln im Zuge des Geschiebemanagements bis hin zu großflächigen Uferrückbauten. Für diese Maßnahmen werden jährlich drei Kennzahlen erhoben: Länge der angebundenen Nebenarme, Länge der neu entstandenen Naturufer und ein Wert für die Geschieberückführung. Noch spannender sind aber die ökologischen Ziele dahinter: Steigen die Kennzahlen, so steigt das Lebensraumpotenzial für rheophile Fische, Schotterinseln sind potenzielle Brutplätze für Flussregenpfeifer, Flussuferläufer oder Flussseeschwalbe und Laichgründe für Kieslaicher, Steilwandbrüter wie Eisvogel, Uferschwalbe oder Bienenfresser finden in Uferanrissen Lebensraum und ein aktives Geschiebemanagement mildert die Eintiefung der Donausohle und erhält so den lebenswichtigen Wasseraustausch zwischen Fluss und Au.

Beispiel Wiesenpflege und Erhaltung von Auwald
Nach dem gleichen einfachen Bewertungssystem werden auch naturraumrelevante Tätigkeiten an Land beurteilt. Hier sind es Mäharbeiten auf den Dämmen, aber auch Dammsanierung und andere Baumaßnahmen, die möglichst naturverträglich durchgeführt werden. Baum-Management und Ufergehölzpflege fallen genauso darunter wie Neophytenbekämpfung oder Artenschutzprojekte für den Osterluzeifalter oder Orchideen. Die jährlich erhobenen Kennzahlen sind wieder denkbar einfach und schaffen den Spagat zwischen den verschiedenen Maßnahmentypen: nach strengen ökologischen Kriterien gepflegte Wiesen und Naturwaldflächen sowie bei Bauprojekten das Erstellen einer Bilanz zwischen vorher und nachher. Und wieder ist es das ökologische Zielgebäude dahinter, für das viadonau Streckenpflege und Baumaßnahmen möglichst naturverträglich ausrichtet. Es profitieren Trockenrasen und artenreiche Wiesengesellschaften mit ihren typischen Bewohnern – Bienen, Schmetterlinge, Heuschrecken und Eidechsen. Außerdem dienen die Dämme als Nahrungsflächen und Wanderungskorridore.

Blumenwiese
Foto © viadonau/Barbara Becker

Erste Erfolge sind sichtbar – von 2016 auf 2017 ist sowohl die Kennzahl für die ökologisch wertvollen Wiesen als auch jene für den Naturwald im Verantwortungsbereich von viadonau gestiegen. Auch im Bereich der Renaturierungsprojekte wird das ohnehin bereits hohe Niveau gehalten. Das Naturraum-Managmentsystem ist dabei das Werkzeug, mit dem die Erhaltung und Entwicklung des Lebensraums Donau auch in Zukunft gewährleistet werden kann.


Die Autorin
Barbara Becker ist seit 2005 bei viadonau. Neben zahlreichen weiteren Aufgaben widmet sich die Umweltexpertin vor allem dem ökologischen Naturraum-Management sowie der Vorbereitung und Umsetzung von Renaturierungsprojekten. 
E-Mail: Barbara.Becker[at]viadonau.org