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Störe – Ökologie und Schutz der einstigen „Könige der Donau“

Geht es um Störe und deren Schutz, denken die meisten von uns an Kaviar und Überfischung in Osteuropa. Dabei ist der kleinste der sechs Donaustöre, der Sterlet, ein eingefleischter Österreicher: Vor nicht allzu langer Zeit, als man ihn noch regelmäßig fangen konnte, kannte man ihn an der österreichischen Donau als delikaten Speisefisch. viadonau unterstützt gleich drei verschiedene Stör-Projekte. Schließlich sind die urtümlich aussehenden Störe bereits Relikte aus der Zeit der Dinosaurier, und diese lebenden Fossilien sollen nun wirklich nicht gerade jetzt den Bach runter gehen.

Stör
Foto: © Ratschan/TB Zauner
Stör
Foto: © Ratschan/TB Zauner

Sperrig
Hausen, Sternhausen, Glattdick, Waxdick, Sterlet und Gemeiner Stör –sechs verschiede Störarten sind in der Donau zuhause. Beziehungsweise waren es. Der letztgenannte gilt nämlich als ausgestorben, die fünf anderen sind vom Aussterben bedroht. Anders als „unser“ kleiner Süßwasserstör, der Sterlet, verbringen Hausen, Sternhausen und Waxdick ihr Erwachsenenleben im Schwarzen Meer und wandern nur in der Laichzeit donauaufwärts, um passende Laichgründe zu finden. Übrigens kam auf diesem Weg auch der Hausen, mit max. 6 Metern Länge und einem Maximalgewicht von ein bis zwei Tonnen der größte Vertreter der Störe, über die gesamte österreichische Donau hinweg bis in den Inn, die Salzach und nach Bayern. Doch das ist Geschichte. Kraftwerksbauten verhindern die jährlichen Laichwanderungen, auch Flussregulierungen gefährden die Art, da die kiesigen strömungsexponierten Laichgründe – wie beispielsweise  im Nahbereich von Inseln –selten geworden sind. Überfischung und Wildfang zur Kaviarproduktion tun das ihrige, um Störe an den Rand des Aussterbens zu drängen. An der unteren Donau engagiert sich der WWF für den Schutz der Störe: http://www.wwf.at/de/stoer/

Sterlet
Zwar ist der Sterlet die kleinste Art der Donaustöre, aber mit einer Länge bis 1,2 m und einem Gewicht von bis 16 kg ist der zackige Geselle doch eine imposante Escheinung. Er ist, im Unterschied zu den erwähnten Störarten der unteren Donau, ein reiner Süßwasserfisch, der keine Langstrecken-Wanderungen unternimmt und daher auch mit der Kraftwerkskette besser zurechtkommt. Seine Geschlechtsreife erlangen männliche Exemplare mit drei bis fünf Jahren, Weibchen erst mit fünf bis acht Jahren. Gegenüber den großwüchsigen „Artgenossen“, die sich dafür 10 bis 20 Jahre Zeit lassen, ist er also ein echter Blitzkneißer. Das macht ihn flexibler, er kann besser auf veränderte Umweltbedingungen reagieren, auch Artenschutzmaßnahmen wirken bereits innerhalb weniger Jahre. Zurzeit kommt der Sterlet an der österreichischen Donau nur noch lokal vor, es wird von einer Population von einigen wenigen hunderten erwachsenen Tieren ausgegangen.

Schutz
Der Sterlet als Leitart für die Donau als intakter Fließgewässerlebensraum ist viadonau ein Anliegen. Störe wurden als einzige Artengruppe in der Donaudeklaration 2016 der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau (IKSD) als „flagship species“ für das Fließgewässerkontinuum der Donau hervorgehoben.

Gleich drei Schutzprojekte laufen zurzeit mit Unterstützung von viadonau:

Das LIFE Projekt Sterlet gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur hat sich zur Aufgabe gemacht, bis 2021 in geeigneten Habitaten im Bereich Wachau, Donau östlich Wien und March jeweils eine selbsterhaltende Population zu schaffen – gestützt durch den Besatz aus erbrüteten autochtonenen Sterleteiern und geeignete Managementpläne. 

Ein bilaterales Interreg-Projekt des Landes Oberösterreich mit Bayern beschäftigt sich mit der Erforschung des Sterlets im Oberen Donautal. Dort ist noch eine natürlich reproduzierende Population erhalten. 20 Tiere bekamen einen Sender und liefern beeindruckende Ergebnisse zu Lebensraumnutzung und Wanderungsbewegungen. So wurde beispielsweise nachgewiesen, dass sich die Tiere nachts in mittleren Wassertiefen aufhalten um zu fressen, und tagsüber in den tiefsten Bereichen „schlafen“. Ein Fokus der Forschungstätigkeit für 2016 gilt der Suche nach Laichhabitaten.  

http://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/naturschutz_db/Sterlet%20Bericht%202014_End.pdf

Last but not least hat viadonau die Patenschaft für Harry Hausen, den größten Stör im Großaquarium Engelhartszeller Donauwelt übernommen.

Die Autorinnen
Barbara Becker ist seit 2005 bei viadonau. Neben zahlreichen weiteren Aufgaben widmet sich die Umweltexpertin vor allem dem ökologischen Naturraum-Management sowie der Vorbereitung und Umsetzung von Renaturierungsprojekten.
E-Mail: Barbara.Becker[at]viadonau.org 

Katrin Ehrenbrandtner ist Praktikantin bei viadonau im Team Umwelt/Ökologie und unterstützt und begleitet die vielfältige Arbeit der Umweltexpertinnen und -experten.
E-Mail: Katrin.Ehrenbrandtner[at]viadonau.org