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Der Donau-Kammmolch – ein bunter Wasserdrache im verborgenen Unterwasserreich der Donau-March- und Thaya-Auen

Der Donau-Kammmolch ist ein eigentümliches Tier, das sofort die Fantasie weckt und Bilder zauberhafter Fabelwesen heraufbeschwört. Doch statt in verwunschenen Märchenreichen finden wir diese faszinierenden Bewohner in einem anderen Wunderland: den Donau-March-Thaya-Auen. Falls es gelingt, ihn aufzustöbern – denn der faszinierende Wasserdrachen lebt sehr zurückgezogen.

Wie alle Amphibien beginnen Kammmolche als Kaulquappen im Wasser, um sich dann grundlegend umzustellen auf ein Leben als lungenatmende Landtiere. Der Donau-Kammmolch legt noch ein Schäufelchen nach: Wenn er zur Paarungszeit zu den Laichgewässern zurückkehrt, werfen sich die Männchen so richtig in Schale. Der rot gefärbte Bauch mit schwarzen Punkten und ein silbriges Längsband beeindrucken die Molchinnen. Genauso wie der hohe, stark gezackte Rückenkamm der Männchen während der Balz, der auch Namensgeber dieser Tiere ist.

Alltagsgeschichten eines Wasserdrachens
Der Donau-Kammmolch zählt neben dem Nördlichen Kammmolch und dem Alpen-Kammmolch zu den drei heimischen Kammmolcharten und ist ein Schwanzlurch aus der Familie der Echten Salamander – der bekannte Feuersalamander gehört zur gleichen Familie. Die 12 bis 16 Zentimeter großen, eher grazilen Tiere werden durchschnittlich drei Jahre alt, können aber ein Alter von zehn Jahren erreichen. Erwachsene Donau-Kammmolche sind Landtiere und ernähren sich hauptsächlich von Wasserinsekten, Egeln und Schnecken. Im Frühjahr suchen sie Laichgewässer auf, um sich zu paaren. Die Eier entwickeln sich im Wasser zu Molchlarven („Kaulquappen“), die sich auch bereits „räuberisch“ von wirbellosen Wassertieren ernähren. Das Paarungsritual der Wasserdrachen ist ein echter „Hingucker“ in der heimischen Tierwelt.

Foto: © U. Nüsken

Gar nicht alltäglich: der Balztanz
Gut getarnt im trüben Wasser, verborgen zwischen Gräsern und Totholz, ist der Donau-Kammmolch bei Tag kaum zu finden. Wer allerdings nachts im Frühjahr an den richtigen Stellen sucht, wird wahrscheinlich gleich mehrere Tiere sehen, denn zur Balzzeit wechseln Männchen von der schlichten „Landtracht“ zur auffälligen „Wassertracht“. Der prächtige Kamm auf dem Rücken wächst erst, wenn die Tiere ans Gewässer wandern, und spielt eine entscheidende Rolle beim ausgeprägten Balzverhalten unter Wasser: Die Männchen präsentieren den Kamm, machen einen „Katzenbuckel“ und schnalzen auf den Vorderfüßen im Handstand stehend mit dem Schwanz, damit das darauf befindliche silbrige Längsband, das als optisches Signal dient, zur Geltung kommt. Wer kann da schon widerstehen? Das Weibchen legt im Laufe von ein bis drei Monaten 200 bis 400 Eier, wobei jedes Ei einzeln in ein tütenförmig zusammengerolltes Blatt einer Wasserpflanze nahe der Wasseroberfläche eingewickelt und befestigt wird.

Lieblingsplatz: Drachenhöhlen und sonnige Tümpel
Als wärmeliebende Art findet man ihn vom Raum Krems (NÖ) ostwärts, das Hauptverbreitungsgebiet sind Autümpel im Umland der Donau und ihrer Nebengewässer. Die größte Bedrohung für den kleinen Wasserdrachen ist der Verlust von Lebensraum: Flache, stehende Gewässer mit größerer Freiwasserzone sowie reicher Röhricht- und Unterwasservegetation und sonnigen Plätzen zählen zu den liebsten Lebensräumen des Molchs. Flussverbauung, Trockenlegungen von temporären Gewässern und der Einsatz von Düngemitteln, aber auch zu viel Fischbesatz bringen sie in arge Bedrängnis. Als Landlebensraum nutzen sie strukturreiches Grünland, wo sie untertags meist unter Steinen oder Totholz ruhen. Die Tiere überwintern in bestehenden Kleintierhöhlen, unter Steinen und Holz oder in Bodenritzen.

Ökologischer Wasserbau einmal anders: Unser Projektpartner AURING hat gemeinsam mit der ÖNJ einen Bastelbogen für ein Kammmolch-Biotop gestaltet
www.oenj.at/naturschutz/projekte/kammmolch/

Artenschutz statt Drachentöten
viadonau beherbergt auf den vom Unternehmen verwalteten Grundflächen auch den Donau-Kammmolch. Gezählt wurde er bisher nur in den March-Thaya-Auen: Hier kommen alle 13 in den March-Thaya-Auen heimischen Arten von Amphibien vor, wie zum Beispiel der Donau-Kammmolch. Doch auch östlich von Wien und im Raum Krems rechnen wir mit Vorkommen auf viadonau-Flächen.

Schutzprojekte in der Wachau und den March-Thaya-Auen schaffen neue Lebensräume. In den beiden viadonau Projekten LIFE Untere March und LIFE Auenwildnis Wachau ist der besonders gefährdete Donau-Kammmolch, der ein wichtiges Natura 2000 Schutzgut darstellt, prioritäre Zielart.

Ziel des LIFE Projektes Renaturierung Untere March ist die weitreichende Wiederherstellung einer naturnahen Flussdynamik in den unteren March-Auen. Durch dammähnliche Uferanlandungen gelangt aber immer weniger Wasser ins Hinterland, die Amphibienlebensräume verschlechtern sich zusehends. Durch die Entfernung dieser Anlandungen, wie jüngst beim Markthofer Seitenarm geschehen, ist die Wasserversorgung der Laichgewässer gesichert.

www.life-march.at/ 

Das LIFE Projekt Auenwildnis Wachau beinhaltet neben Flussrenaturierung und Auwaldmaßnahmen auch ein Amphibienschutzkonzept. Aufbauend auf einer Bestandskartierung werden für stark gefährdete Amphibien, wie Gelbbauchunke und Donau-Kammmolch, neue Laichgewässern angelegt.

www.auenwildnis-wachau.at/


Die Autorinnen
Barbara Becker ist seit 2005 bei viadonau. Neben zahlreichen weiteren Aufgaben widmet sich die Umweltexpertin vor allem dem ökologischen Naturraum-Management sowie der Vorbereitung und Umsetzung von Renaturierungsprojekten.
E-Mail: Barbara.Becker[at]viadonau.org

Nina Persch ist seit 2007 bei viadonau. Zu ihren Hauptaufgaben als Projektmanagerin im Team Umwelt/Ökologie zählen die Weiterentwicklung des integrierten Managementsystems für Umwelt-, Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Aufgaben des Naturraum-Managements.
E-Mail: nina.persch[at]viadonau.org